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Rangers in St. Petersburg

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BAD KISSINGEN. Dass der Eishockey-Sport in und um Bad Kissingen lebt, beweist nicht nur der aktuelle Erfolg der „Wölfe“ in der Bezirksliga. Seit nunmehr 20 Jahren gibt es an der Saale die Hobby-Truppe der Rakoczy Rangers, die unlängst für ein Wochenende im russischen St. Petersburg an einem Turnier teilnahm. „Das war ein echtes Abenteuer“, erinnert sich Mitorganisator Holger Buczynski.

Freitag zur frühesten Morgenstunde begann der ungewöhnliche Ausflug an der Bad Kissinger Eishalle, der über Düsseldorf und zweieinhalb Stunden Flug in die russische Metropole führte. „Dort wartete bereits ein Kleinbus, der in den nächsten Tagen wertvolle Dienste leistete“, so Buczynski. Als Reiseleiter und Übersetzer traten Valerij und Eugen Dancov in Erscheinung, die bei den Rakoczy Rangers die Schlittschuhe schnüren und den Kontakt nach St. Petersburg hergestellt hatten. „Das sind zwar eigentlich Kasachen, aber über irgendwelche Kanäle sind da Verbindungen vorhanden.“ Für zusätzliche Spannung in der sehr modernen Eishalle sorgte ein gehöriger Schuss Unwissenheit. „Wir hatten uns das Turnier irgendwie größer vorgestellt. Letztendlich waren es gar nicht so viele Teams. Und wir wussten nicht, wie oft und gegen wen wir spielen müssen“, nahm es Buczynski wie seine Mitstreiter gelassen. Eindrücke hatte die Reise bei allen hinterlassen. „Bei der Ankunft in St. Petersburg war es irgendwie wie in Deutschland. Zuerst sahen wir Obi, Ikea und Real. Das alles bei leichtem Schneefall in einer leicht angegrauten Stadt. Russland im November halt“, fand der 36-Jährige. Auf kulturelle Highlights mussten die Deutschen angesichts einer interessanten Stadtrundfahrt aber nicht verzichten. Sankt Petersburg, das von 1924 bis 1991 Leningrad hieß, liegt im Nordwesten des Landes an der Mündung der Newa am Ostende des finnischen Meerbusens und ist die nördlichste Millionenstadt der Welt. Sie wurde 1703 von Peter dem Großen auf Sumpfgelände nahe dem Meer gegründet, um den Anspruch Russlands auf Zugang zur Ostsee durchzusetzen. 

Wenig kontaktfreudig und distanziert hatten die Saalejungs die Einheimischen in Erinnerung. „Sind bei uns Ausländer bei einer Sportveranstaltung zu Gast, wird eine Stadtführung geboten oder es werden die Nationalhymnen gespielt. Da gab es aber keine vergleichbaren Initiativen, was sehr schade war.“ Ausgelassener und überraschend bunt ging es dafür im Hotel zu, weil parallel St. Petersburg Austragungsort der Trampolin- Weltmeisterschaft war. Brasilianer, Mexikaner, Chinesen und Holländer waren damit Zimmernachbarn der Unterfranken – und lange Nächte vorprogrammiert... Eishockey gespielt wurde natürlich auch. „Und da waren wir erst einmal überrascht über die Anweisung, wir mögen doch bitte möglichst körperlos spielen. Auch wenn wir nur Hobbyspieler sind, zu diesem Sport gehört immer eine physische Komponente. Gegen die technisch starken Russen hatten wir so erst recht keine Chance“, erinnerte sich Buczynski an die beiden Niederlagen (2:9/3:4) mit Treffern von Holger Buczynski (2), Florian Kiesel (2) und Valerij Dancov.

Weil der rostet, der rastet, haben die Rakoczy Rangers auch in 2010 so einiges vor. Im Oktober 1989 wurde die kultige Hobbytruppe durch Jochen Streitberg und einige weitere Freunde des gepflegten Eishockeys aus der Taufe gehoben. Betreut wurde das Team seinerzeit von Joachim Rest, später von Michael Grimm. Trainiert wird wie eh und je donnerstags um 22 Uhr. Derzeit halten Holger Buczynski und Norbert Hochrein die Abteilung am Leben. „Unser Kader umfasst gut und gerne 30 Spieler, wobei unsere sportlichen Aktivitäten gewöhnlich ohne Spieler der ersten Mannschaft ablaufen. Der Hobby-Charakter wird bei uns groß geschrieben. Und die Leute müssen zu uns passen“, so Buczynski, der nach Jahren der beruflichen (und sportlichen) Abwesenheit seit einigen Jahren wieder seinen Lebens-Mittelpunkt in Bad Kissingen hat. Im nächsten Jahr ist eine Woche vor dem Sonnenhügel-Cup ein Hobby-Turnier geplant, an dem die Rakoczy Rangers alte Kontakte nach Trier, Erfurt, Ruhpolding oder Kassel wieder auffrischen wollen. Und im Frühjahr führt erneut eine Fahrt zur Eishockey-Weltmeisterschaft, die bekanntlich in 2010 in Deutschland stattfindet.

Rakoczy Rangers stehen schon immer für Reiselust. Diesmal nahm die Bad Kissinger Hobby-Truppe an einem Eishockey-Turnier in St. Petersburg teil.

Rakoczy Rangers stehen schon immer für Reiselust. Diesmal nahm die Bad Kissinger Hobby-Truppe an einem Eishockey-Turnier in St. Petersburg teil.

Quelle: Zeitungsartikel, Saale Zeitung, erschienen am 19.11.2009 von Jürgen Schmitt

   
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